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Fachpresse – Nur etwas für Nerds?

Erstellt am: 15. September 2014

FAZ, Handelsblatt, Süddeutsche – Die großen, überregionalen Zeitungen kennen wir alle. Wir lesen sie täglich und im PR-Bereich kommt es nach wie vor einem Ritterschlag gleich, wenn man es mit einer Story auf die Titelseite einer dieser Zeitungen schafft. Wer hat aber schon einmal von der „Beschaffung aktuell“, der „Papier Rundschau“ oder dem „Glasingenieur“ gehört? Vermutlich nicht so viele.

YTB_Sebastian

Dabei kann die Fachpresse in der Kommunikation und vor allem in der Medienarbeit eine zentrale Rolle spielen. Gerade dann, wenn die Themen so speziell oder technisch sind, dass sie für die Massenmedien schlichtweg nicht geeignet oder interessant genug sind?

In Deutschland gibt es für so gut wie jedes Thema, jede Branche und jede Art von Produkten spezielle Zeitschriften oder Magazine, die sich mit den Entwicklungen auf den entsprechenden Gebieten befassen. Häufig wird die Fachpresse und ihre Wirkung jedoch stark unterschätzt oder als Spielfeld für Nerds und Fachidioten abgetan.

Wenn ich beispielsweise im Freundeskreis davon erzähle, dass ich viel mit Journalisten aus der Werkzeug- oder Energiefachpresse zusammenarbeite, kommt oft die Frage: „Wer liest denn so etwas? Das muss doch stinklangweilig sein.“ Das mag für Ottonormalverbraucher auch stimmen, jedoch ist gezielte Fachpressearbeit häufig sinnvoller als die breite Kommunikation nach dem Gießkannenprinzip – vor allem, wenn man eine klar definierte oder besonders spitze Zielgruppe erreichen möchte.

Gerade Entscheider wollen über das Marktumfeld ihres Unternehmens informiert sein. Für diese Informationen greifen sie meist zur Fachpresse, weil sie den hoch spezialisierten Fachjournalisten mehr Detailkenntnisse über ihre Branche zutrauen, als den Journalisten bei den großen Tages- und Wirtschaftsmedien, die Themen ja in der Regel von einer Meta-Ebene bzw. in einem größeren gesellschaftlichen Kontext betrachten.

Ein weiterer Vorteil der Fachpressearbeit: In der Regel steht einem in Fachmagazinen mehr Platz zur Verfügung als in der Tages- und Wirtschaftspresse und man kann zudem davon ausgehen, dass die Leser über ein gewisses Grundverständnis für die behandelten Themen verfügen. Das macht es einfacher, inhaltlich tiefer in die Thematik einzusteigen und Sachverhalte genauer darzustellen, als es bei Massenmedien möglich wäre. Außerdem hat man bei der Fachpresse in der Regel wesentlich mehr Einfluss auf den Inhalt der Beiträge. Es ist mir sogar schon passiert, dass ein Redakteur mich bat einen Beitrag selbst zu verfassen, der dann später unverändert gedruckt wurde.

Hinzu kommt, dass Fachredakteure in den meisten Fällen offener für Themenvorschläge sind, da es ja gerade bei den hochspezialisierten Publikationen häufig schwierig ist in regelmäßigen Abständen ein komplettes Heft mit Inhalten zu füllen. Außerdem gestaltet sich oft auch die Zusammenarbeit mit ihnen wesentlich entspannter, da Fachredakteure in aller Regel nicht unter einem so hohen Zeitdruck stehen, wie die Journalisten bei den großen Tages- und Wochenzeitungen.

Ihr seht also: Fachpresse ist nicht nur etwas für Nerds, sondern kann die Kommunikation gerade im B2B-Umfeld sinnvoll ergänzen und bereichern.

Und wenn Ihr das nächste Mal im Zeitschriftenladen seid, nehmt Euch doch auch die Werkstatt & Betrieb mal mit. Die kann ich nur empfehlen J

Bis bald, Euer Sebastian