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Politische Kommunikation on- und offline – wohin bewegt sich Public Affairs?

Erstellt am: 31. August 2012

Die Möglichkeiten, politisches Geschehen zu verfolgen und zu kontrollieren sind für die Menschen heutzutage viel stärker ausgeprägt als noch vor zehn Jahren: Der ehemalige Bundesminister zu Guttenberg musste das am eigenen Leib erfahren: Es waren die Recherchen der Netzgemeinde, die die Zitierfehler seiner Dissertation zu Tage und ihn selbst zu Fall brachten.

Aber nicht nur dunkle Geheimnisse aus der Vergangenheit werden immer häufiger ans Licht gebracht. Wer was wie laut über wen gesagt hat, findet man in Zeiten medialer Echtzeitkommunikation meist direkt als Tweet oder bei facebook, als Live-Stream und kurz darauf in den Online-Newsportalen, nicht erst am nächsten Tag in den Zeitungen.

Public Affairs im digitalen Zeitalter

Manche kennen den Soziologen Niklas Luhmann noch aus dem Studium: Er sprach von der Anpassungsfähigkeit von Organisationen an veränderte Umweltbedingungen. Für politische Kommunikation bedeutet das: Anpassung an die neuen (digitalen) Kommunikationsformen und wachsende Partizipationsmöglichkeiten.

Mittlerweile tummeln sich nicht nur viele Abgeordnete persönlich im Social Web. Viele Unternehmensvertreter, die im politischen Berlin tätig sind, führen einen immer transparenteren Austausch mit Gesellschaft und Politik – häufig sogar zum Mitlesen bei facebook oder Twitter.

Screenshot: Peter Altmaier ist einer der bekanntesten Twitterer im politischen Berlin

Aber diese Form von Transparenz ist nur ein Aspekt des Wandels. Ein anderer betrifft die direkte Kommunikation zwischen Politik und Wirtschaft: wenn Unternehmen ihre Stimme im pluralistischen Konzert der bundesrepublikanischen Entwicklungs- und Diskussionsprozesse von Gesetzen einbringen, ist es heute viel wichtiger, überzeugende Argumente hervorzubringen als nur „die richtigen Kontakte“ zu haben.

Vor allem (aber nicht nur!) die jüngeren Politikergenerationen nutzen neue Kommunikationsformen, haben ein moderneres Transparenz- und ein pragmatisches Karriereverständnis: sie gehen davon aus, dass sie nicht für den Rest ihrer Berufslaufbahn ein Mandat ausfüllen werden. Deshalb sind sie stärker für Beratung und Dialog als für (intransparente) Hinterzimmer-Netzwerke empfänglich und profitieren davon enorm: Denn Bundestagsabgeordnete sind häufig Spezialisten für einen bestimmten Bereich. Ein Beispiel: Die Stuttgarter Abgeordnete Karin Maag ist Beauftragte der Unionsfraktion für medizinische Hilfsmittel – ihr Spezialgebiet ist Politik rund um Sanitätsfachhäuser, Rollatoren und Prothesen. Gleichzeitig sitzt sie im Gesundheitsausschuss, debattiert dort über Arzneimittelgesetze und stimmt im Plenum über die Beteiligung deutscher Streitkräfte im Kampf gegen Piraten vor Somalia ab.

Um eine solche Spannbreite an Entscheidungen verantwortungsvoll zu managen, brauchen die Mandatsträger Beratung. Die wissenschaftlichen Mitarbeiter und Fraktionsreferenten im Bundestag leisten dazu einen wichtigen Beitrag. Doch brauchen Abgeordnete auch die Kenntnisse aus den Verbänden und Unternehmen, die wiederum genau wissen, an welchen Stellen es in ihren Branchen nicht so rund läuft oder wo Politik fördern kann.

Besten Gruß, Euer Tobias